Während Christen und Juden unter Muslimischer Herrschaft die Möglichkeit hatten, von allen Freiheiten in höchstem Maße zu profitieren, erlebten sie ähnliche Toleranz und Barmherzigkeit nicht bei den Angehörigen anderer Religionen. Im ersten Jahrhundert nach Christus unterdrückten die Juden die Christen, mit zunehmendem Erstarken der Christen in den späteren Jahrhunderten übten die Christen Druck auf die Juden und auf Christen anderer Glaubensrichtungen aus. Dieser Druck, der vom Ende des Mittelalters bis ins 17. Jahrhundert hinein am stärksten war, führte dazu, dass zahlreiche Juden und Christen anderer Glaubensrichtungen sich in die Barmherzigkeit und den Schutz der Muslime flüchteten. Die Politik der Unterdrückung und Gewalt war in den Islamischen Gebieten zu keiner Zeit bekannt. Druck wurde in der Anfangszeit des Islam von den Byzantinern auf die Jakobiter Ägyptens und anderer Regionen ausgeübt und von den europäischen Christen während der Kreuzzüge auf Juden und orthodoxe Christen entlang des Reiseweges, sowie in Jerusalem und Umgebung. Doch es gab keine Unterdrückung wie die der Juden Europas durch die Christen und keine Gewalt wie die der Christen Spaniens gegenüber den Muslimen und Juden.
Das beste Beispiel für diese Toleranz ist zweifellos das Osmanische Reich. Die Worte des Patriarchen Makarios von Antalya, der die Unterdrückung der Orthodoxen Christen im katholischen Polen mit der Osmanischen Herrschaft vergleicht, belegen diese Tatsache:
Wir haben Tausende von Menschen, Frauen und Mädchen und Männern beweint, die von diesen Ungläubigen getötet wurden. Die Polen wollen den Namen Orthodox von der Erde verschwinden lassen. Allah möge den Türkischen Staat ewig bestehen lassen. Denn die Türken mischen sich nicht in die Religion der Juden und Christen ein, immer wenn sie Steuern verlangen.
Die Juden, die vor der Tyrannei der Spanier flüchteten, fanden Ruhe und Sicherheit auf Osmanischem Boden. Die Juden, die aus Spanien in andere Länder flüchteten, begegneten dort großen Schwierigkeiten und Problemen. Da ihnen meistens verboten wurde, die Städte zu betreten, starben sie an Hunger und Durst vor den Stadttoren. Diejenigen jedoch, die die Reise auf den Schiffen der Genueser antraten, wurden entweder von den Schiffseignern unterdrückt oder als Gefangene an Piraten verkauft. Sultan Beyazit jedoch, der den Juden die Grenzen seines Reiches öffnete, sandte einen Erlaß an alle Provinzen, damit den Juden die erforderliche Toleranz und Gastfreundschaft entgegengebracht wurde. Der Erlaß besagte “Die spanischen Juden mögen nicht zurückgewiesen sondern herzlich empfangen werden; diejenigen, die das Gegenteil tun und die Auswanderer schlecht behandeln oder Anlaß zu auch nur dem kleinsten Schaden geben, werden mit dem Tode bestraft...” Diese Gastfreundschaft und Toleranz des Sultan Beyazit, der wegen seiner Religiosität in die Geschichte einging, resultierte aus seiner Bindung an die Quranische Moral.
Ein weiteres Beispiel für das sorgenfreie Leben, das Juden und Christen unter der Islamischen Herrschaft führten, ist der omaijadische Staat Andalusiens. Dieser Staat verfügte über eine hohe Zivilisation, der das Europa dieser Zeit nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hatte. Die grundlegende Besonderheit dieser Zivilisation war ihre religiöse Toleranz. Es gab ein geflügeltes Wort über die Juden Granadas, das die letzte Bastion des unter den christlichen Angriffen zunehmend kleiner werdenden Machtbereichs des Islam war: “Diejenigen, die das prunkvolle Leben der Juden Granadas noch nicht gesehen haben, wissen nicht was Pomp ist.” Zu dieser Zeit war Granada für Juden der sicherste Ort auf Erden.
Ein weiteres Gebiet, in dem die Bevölkerung unter der Islamischen Herrschaft zur Ruhe fand, ist Palästina. Die jüdischen und christlichen Gemeinden Palästinas besaßen während der Islamischen Herrschaft Glaubensfreiheit, sie lebten unter der Muslimischen Leitung in Ruhe und Sicherheit und gingen frei ihrem Handel und Handwerk nach. Das Osmanische Reich sicherte dieser Region einen 500 Jahre dauernden Frieden und es war später nicht möglich, die von den Osmanen errichtete Ordnung von neuem herzustellen. Die Freiheit und die Toleranz, die die Osmanen Jerusalem und seiner Umgebung entgegen brachten, drückt der frühere israelische Außenminister Abba Eban folgendermaßen aus:
Jerusalem und das jüdische Volk, die seit den Römern von allen Besatzern lediglich für Blut und Folter würdig befunden wurden, lernten erst mit der Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin und der Festigung dieser Eroberung durch Sultan Kanuni was menschenwürdiges Leben und was Gleichheit heißt und welche Bedeutung der Geschmack von Ruhe hat.
Nicht nur in Palästina, überall in der Islamischen Welt lebten Juden und Christen mit Muslimen jahrhundertelang in Ruhe und Sicherheit in denselben Städten, sogar in denselben Stadtvierteln. Juden und Christen trieben in den unter Muslimischer Herrschaft befindlichen Regionen Handel und besaßen Eigentum und konnten, ebenso wie sie Verpflichtungen in verschiedenen Berufsgruppen übernahmen, auch Pflichten am Hof übernehmen. Sie profitierten von der Freiheit der Ideen und Gedanken, wurden Teil des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens und hinterliessen ihre Werke bis in unsere heutige Zeit. Ebenso wie sie keinerlei Beschränkungen iihrer sozialen Rechte ausgesetzt waren, gewannen sie durch die Glaubens- und Gebetsfreiheit. So ist zum Beispiel in historischen Qellen verzeichnet, dass die christlichen Ärzte, die ihren Dienst am abbasidischen Hof versahen, mit ihren Familien und Mitarbeitern ungehindert die Bibel lesen und beten konnten.
Die Bedeutung, die in der Islamischen Welt der Wissenschaft und Forschung zugemessen wurde, sicherte insbesondere christlichen und jüdischen Wissenschaftlern den Schutz der Kalifen zu. In Islamischen Gebieten versammelten sich die Wissenschaftler unterschiedlicher Religionen mit der Staatsführung und wissenschaftliche Diskussionen wurden veranstaltet. Christliche und jüdische Mediziner tauschten sich mit ihren Muslimischen Kollegen aus und zahlreiche wichtige medizinische Werke dieser Zeit wurden auf Versammlungen und Diskussionen mit den Kalifen und den staatlichen Würdenträgern zu Papier gebracht.
Unter der Muslimischen Herrschaft verfügten Juden und Christen über ein äußerst lebhaftes kulturelles Leben. Juden und Christen konnten die Arbeiten zur Unterrichtung ihres Volkes in ihrer Religion nach Wunsch vervielfältigen und verteilen. In einer Zeit, in der die Muslime die Freiheit von Wissenschaft und Gedanken unterstützten, wurden an den Inquisitionsgerichten Europas die Menschen wegen ihrer Gedanken und ihres Glaubens zum Tode durch Verbrennen verurteilt.
Das Gerechtigkeitsverständnis der Muslimischen Führung war auch der Grund dafür, dass Juden und Christen trotz der Tatsache, dass es Gerichte gab, an denen ihre eigenen Gesetze galten wünschten, ihre Klagen vor einem Islamischen Gericht zu verhandeln. Als die Anzahl der Christen, die sich an Islamische Gerichte wandten zunahm, fühlte der nestorianische Patriarch Timasavus die Notwendigkeit, eine Mitteilung zur Warnung der Christen zu veröffentlichen.
Die Basis dieser in der Geschichte beispiellosen Toleranz und Gerechtigkeit der Muslime ist selbstverständlich die Quranische Moral. In Gebieten unter Muslimischer Verwaltung, in denen die Quranische Moral praktiziert wurde, herrschten stets Sicherheit, Gerechtigkeit und Frieden. Die Regierungen, die das Glück der Bevölkerung und deren Wohlstand zum Ausgangspunkt nahmen, etablierten ein System, das zahlreichen nach ihnen kommenden Generationen zum Vorbild gereichte. Mit der Verbreitung der Quranischen Moral über die Islamische Welt, die Barmherzigkeit, Liebe, Gerechtigkeit, Verständnis, Bescheidenheit, Geduld, Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit befiehlt, wird es möglich sein, eine Ordnung zu etablieren, in der sowohl Muslime wie auch Nicht-Muslime Ruhe und Sicherheit finden.
DIE ZUFLUCHT VON JUDEN UND CHRISTEN UNTER DIE HERRSCHAFT DES ISLAM
Zusammenfassung
Dieser Artikel beleuchtet die historische Zuflucht und das friedliche Zusammenleben von Juden und Christen unter islamischer Herrschaft. Er zeigt, wie die koranische Moral eine beispiellose Toleranz und Gerechtigkeit ermöglichte, während sie in anderen Kulturen Unterdrückung erfuhren. Der Text betont die Vorbildfunktion islamischer Staaten für den Umgang mit Minderheiten.
Wichtigste Punkte
- Juden und Christen genossen unter muslimischer Herrschaft umfassende Freiheiten und Schutz, die in anderen Gesellschaften oft fehlten.
- Die koranische Moral der Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit war die Grundlage für die beispiellose Toleranz in islamischen Staaten.
- Das Osmanische Reich und das omaijadische Andalusien sind herausragende Beispiele für das friedliche und wohlhabende Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen.
- Nicht-Muslime konnten sich aktiv am wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Leben beteiligen und ihre Religion frei praktizieren.
- Die islamische Gerichtsbarkeit wurde von Juden und Christen oft bevorzugt, was die Gerechtigkeit der muslimischen Führung unterstreicht.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterschied sich die Behandlung von Juden und Christen unter muslimischer Herrschaft von der unter anderen Religionen?
Unter muslimischer Herrschaft genossen Juden und Christen weitreichende Freiheiten und Schutz, die sie bei anderen Religionen selten fanden. Historische Beispiele zeigen, dass sie in islamischen Gebieten vor Unterdrückung und Gewalt sicher waren, die sie andernorts erlebten.
Welche Rolle spielte die koranische Moral bei der Toleranz in islamischen Staaten?
Die koranische Moral, die Barmherzigkeit, Liebe, Gerechtigkeit und Geduld befiehlt, war die grundlegende Basis für die historische Toleranz und Gerechtigkeit in muslimisch verwalteten Gebieten. Sie ermöglichte ein System, das das Glück und den Wohlstand aller Bevölkerungsgruppen zum Ziel hatte.
Welche historischen Beispiele belegen die Toleranz des Islam gegenüber Nicht-Muslimen?
Das Osmanische Reich und der omaijadische Staat Andalusiens sind prominente Beispiele für die islamische Toleranz. Unter ihrer Herrschaft fanden Juden und Christen Ruhe, Sicherheit und die Freiheit, ihre Religion und Kultur zu praktizieren, während sie in Europa oft verfolgt wurden.
Wie wurden Nicht-Muslime in das gesellschaftliche Leben islamischer Reiche integriert?
Juden und Christen konnten in islamischen Gebieten Handel treiben, Eigentum besitzen, in verschiedenen Berufen tätig sein und sogar Ämter am Hof übernehmen. Sie profitierten von der Freiheit der Ideen und Gedanken, waren Teil des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens und konnten ihre religiösen Schriften vervielfältigen und verbreiten.
Warum bevorzugten Juden und Christen manchmal islamische Gerichte gegenüber ihren eigenen?
Das Gerechtigkeitsverständnis der muslimischen Führung war so hoch, dass Juden und Christen, obwohl sie eigene Gerichte hatten, oft wünschten, ihre Klagen vor einem islamischen Gericht zu verhandeln. Dies belegt die als vorbildlich empfundene Fairness und Unparteilichkeit der islamischen Rechtsprechung.


